Die 1980er
Projekt: Trachten-Spencer
Schnitt: Burda Stick-Lehrbuch, Schnittmusterbogen, Gr. 38
Datierung: 1982
Stoffe: schwarzer Gabardine (45%Polyester/55%Wolle), Tartan (Wolle), schwarzer Batist (Baumwolle)

Es war einmal vor langer langer Zeit (wohl so 2007/8), dass Natron, eine der damaligen Administratorinnen des Vorgänger-Forums, das Sticken für sich entdeckte und als Lehrbuch ein altes Burda-Buch von 1982 empfahl. Die Projekte darin sind nicht gerade gut gealtert, aber die Anleitungen klar verständlich und zudem fand man es ohne große Probleme für wenig Geld auf Flohmärkten, so dass ich es mir ebenfalls besorgte, als sich die Gelegenheit bot.

Aber das Buch bietet nicht nur die reinen Stickvorlagen, sondern auch viele Schnitte oder Anleitungen, um die gezeigten Projekte fertigzustellen. Ich möchte behaupten, dass ich noch nie etwas aus diesem Buch gestickt habe, aber recht früh schon sprang mich dieses Jäckchen, Spencer genannt, an. Das habe ich dann so 2008 oder 2009 genäht, für mich war das damals ein recht ambitioniertes Projekt. Bestickt habe ich es nicht, es bestand aus pinkem Denim (

Es passte perfekt, war für meine Verhältnisse recht gut genäht und ich war sehr glücklich damit. Damals arbeitete ich viel mit Stoffmalfarbe und so kam mir die dumme Idee, schwarze Sterne zu stempeln.

Fast Forward zum Jahresende 2025:, Auftriff eines Stapels von Gabardine-Schnittteilen. Den Stoff hatte ich mal gekauft, um meinem ehemaligen Partner eine Weste zu nähen, iiirgendwann zwischen 2008 und 2016, genauer kann ich es nicht mehr sagen.

Und während ich zuschnitt drängte sich mir die Frage auf, wie ich das Jäckchen etwas spannender machen könnte und wie schon beim letzten WiP (siehe das 1960er-Kleid) setzten sich Vivienne Westwood und Alexander McQueen auf meine Schultern und flüsterten «Tartan».

Lange nicht sicher war ich, ob ich noch einen Kragen oder sonst ein Element aus dem Tartan in der oberen Hälfte ergänzen wollte, bin es immer noch nicht 100%ig. Aber erst einmal habe ich mich dagegen entschieden, nicht, dass es zu sehr nach Kostüm oder Uniform aussieht. Als Futter für das Schößchen und die Belege nahm ich Baumwollbatist, einerseits wegen der Dicke, andererseits, um Kratzen des Wollstoffes zu vermeiden. Ich liebe dieses Schößchen-Detail sehr, erwähnte ich das mal?

Genäht war es eigentlich schnell, nur die Knopflöcher ganz zum Schluss machten mir Sorgen. Schummeln mit untergenähten Druckknöpfen konnte ich nicht (zu eng anliegend und deswegen Aufspring-Gefahr), meine einzige Maschine mit ZickZack-Stich war während des Nähens ausgestiegen und vor handumstochenen Knopflöchern hatte ich in dem fransenden Gabardine zu großen Respekt. Also blieben Paspelknopflöcher, die gleichzeitig eine Möglichkeit boten, den Tartan noch einmal hervorzuholen. Aufgrund eines Denkfehlers sind sie leider recht dick geworden, aber als ich das realisierte, war es schon zu spät und nicht mehr änderbar, ohne die Knopfleiste komplett zu zerstören. Leider spannt sie auch etwas, aber beim Tragen fällt es nicht so auf. Die Knöpfe sehen genauso aus wie auf dem Burda-Foto, auch Anzahl und Knopflochgröße stimmten, lustiger Zufall.

Trotz all des Erfolgs bei diesem Projekt muss ich vor etwas warnen: Wenn man etwas das letzte Mal vor mindestens 16 Jahren genäht hat und es zumindest in der Erinnerung perfekt passte, man seitdem aber doch etwas zugenommen hat, sollte man zwischendurch eine Anprobe wagen…
Der Spencer sitzt recht eng, nicht unangenehm, aber er sitzt dadurch schlicht nicht so schön, insbesondere nach dem Essen.

Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis und habe extra einen Rock mit hoher Taille genäht, um ihn tragen zu können. Vom Gabardine und auch vom Tartan sind leider immer noch Reste da, immerhin mit einem ging es aber direkt weiter. Mehr davon nach der nächsten Maus…ähm also im nächsten Jahrzehnt.
