Die 1940er - Kleinkram
Projekt: Eimer
Schnitt: Zeitschrift Frauen-Fleiss, Schema-Schnitt
Datierung: April 1944
Stoffe: Wachstuch, Cabriolet-Verdeckstoff
Frauen Fleiss war eine Zürcher Zeitschrift, die vor allem Strickanleitungen beinhaltet, aber auch diverse andere Handarbeiten wie Sticken oder Nähen. Letzteres sind eher kleinere Projekte wie Taschen oder Kissen, nur selten ist auch was zum Anziehen dabei. Für dieses Mal wurde es ein etwas kurioses Projekt aus einer Serie namens «Alles für den Garten»: ein genähter Eimer.

(Abbildung in der Mitte)
Die Anleitung wollte für das Innenleben Wachstuch und für die Aussenhülle einen gestreiften Vorhangstoff. Statt Vorhangstoff verwendete ich einen Rest Cabriolet-Verdeckstoff. Der stammt von meinem ersten Auto, einem Golf Cabriolet von 1992. Das alte Verdeck war durch und beim neuen musste man selbst ein Loch für die Heckscheibe schneiden, diesen Ausschnitt hatte ich bis jetzt aufbewahrt (verkauft habe ich das Auto wohl so 2009, ist also ein Weilchen her).
Im Gegensatz zur Anleitung konnte ich den Verdeckstoff nicht verstürzen (viel zu steif), das Wachstuch aber problemlos, weshalb ich mich nicht wirklich an die Anleitung hielt. Für den Boden reichte das Verdeck nicht, also ist der in beiden Lagen aus Wachstuch. Die obere und untere Kante sind wie in der Anleitung mit Draht verstärkt. Leider passt der Schnitt nicht gut, Boden und Seitenteile stimmen nicht wirklich gut überein.

(hier sieht man den an der Nahtzugabe angeknoteten Draht, die Falten, die ich machen musste, damit der Boden hineinpasst und die unschöne Naht, die meine Nähmaschine wegen der Stoffkombi machte)
Jetzt hat der Eimer nicht nur einen sehr wabbeligen (weil nur doppeltes Wachstuch) Boden, er wirft auch innen Falten und hängt nach unten durch, wird also recht sicher eine Sollbruchstelle des Projektes sein und irgendwann durchscheuern. Als ich überlegte, wie ich die Kanten verarbeiten könnte, hatte ich von dem Projekt schon die Nase voll und nahm sämtliche Schrägbandreste, die so herumlagen, sah ja sowieso schon kacke aus. Am unteren Rand nahm ich die Nähahle zur Hilfe, es war eine recht nervige Arbeit, weil unhandlich und weil die Nadel ständig im Wachstuch steckenblieb. Letztendlich sahen die Kanten so schäbig aus, dass ich ihnen mit Wondertape und anschliessender Naht eine Abdeckung aus Satinband spendierte, das rettete die ganze Sache ein wenig.

(In seiner ganzen Hässlichkeit. Das Schrägband oben ist mit der Maschine angenäht und deshalb sehr unsauber, weil ständig alles verrutschte)
Ich finde es ja immer lustig, wenn Anleitung und Bild offensichtlich voneinander abweichen, so auch hier: «Ein fest geflochtener Bastzopf bildet die [sic!] Träger, der zwischen Wachstuch und Aussenstoff geschoben wird.». Man sieht auf der Abbildung im Heft recht deutlich, dass der Zopf durch angenähte Schlaufen gezogen und verknotet wurde. So habe ich es auch gemacht, nur dass ich die Schlaufen nicht angenäht habe, sondern grosse Musterklammern verwendet habe, als Träger dient ein Stück dicke Hanf-Kordel.
Jetzt habe ich einen immer noch recht hässlichen Eimer, für was? Ich zitiere: «Beim Beerenpflücken wie beim Blumenschneiden erweist die Tönnchenform sich als sehr praktisch.». Mache ich beides nicht so häufig, aber zum Gemüse ernten und vor allem zur Pflege von kleineren oder Zimmer-Pflanzen (also tote Blätter abzupfen und so), kann ich ihn mir noch praktisch vorstellen, beim Lavendel stutzen war er jedenfalls schon dabei und gar nicht so unnütz. Mal sehen, wie häufig er in der Gartensaison Verwendung finden wird und ob er dauerhaft bleibt. Falls nicht, was der Einsatz mit all den Resten jetzt nicht so hoch.
So, und als nächstes kommt dann auch wieder etwas grösseres.

Wer also näht, der weiß auch, wie man trennt.
Elizabeth Barrett-Browning
Der Mangel an "ß"s in meinen Posts ist auf die Schweizer Rechtschreibung sowie Tastaturbelegung zurückzuführen.