Nähen- kurze Fragen und Antworten

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Maze
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Maze »

Ich hätte mal wieder eine schnelle Frage. Ich habe hier nämlich ein hübsches, mittelschweres Leinen rumliegen, das zu einem Tellerrock werden möchte. Jetzt frage ich mich bei diesem Material, ob es ein halber Teller, ein dreiviertel Teller, ein ganzer Teller oder irgendwas dazwischen werden soll. Es ist schon relativ steif und der Rock soll ja schön fallen. Und wie soll der Fadenverlauf bei einem Tellerrock sein?

Ich bedanke mich schon mal! :tee:

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Constanze
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Constanze »

Mh, gute Frage, ob steifes Leinen zu steif für einen ganzen Teller ist. Kann man wohl pauschal schlecht sagen, zumal Leinen mit der Zeit auch weicher wird. Schwer ist eigentlich nicht das Problem, fällt einfach weniger luftig. Wenn du es nicht riskieren willst, nimm lieber keinen ganzen.

Je nachdem, wie hoch dein Rock sitzen soll und welche Differenz du zwischen Hüfte und Taille hast, musst du bei einem halben Teller etwas aufpassen. Da kann es vorkommen, dass der Teller an der Hüfte zu eng wird. Also am besten nachrechnen, ob das passt.

Fadenlauf ist bei einem Teller egal, da du den Stoff als Kreis zuschneidest und da alle Richtungen drin vorkommen. Anders sieht es aus, wenn du den Teller aus Einzelteilen zusammensetzt, dann würde ich die Nähte im Fadenlauf ausrichten, damit sich beim zusammennähen nichts verzieht.

Und, da bei einem Teller eben immer Regionen im schrägen Fadenlauf liegen: nie sofort säumen oder den Saum zuschneiden! Näh den Rock fertig und lass ich ein paar Tage am Bügel hängen, die schrägen Partien hängen sich je nach Stoff mehrere Zentimeter aus. Wenn das erst nach dem Säumen passiert, sieht dein Rock krumm und schief aus. Das heisst leider auch, dass du den Saum dann noch einmal mühsam abstecken oder abmessen musst.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Buchstabensalat »

Ein kleiner Trick für das Säumen von Tellerröcken:
Nähe nur die Seitennähte, bzw bei nem ganz zugeschnittenen Teller gar nichts, und häng ihn dann ein paar Tage auf nen Bügel. (Aber vorsicht, dass du die Taille nicht spannst, sonst leiert die aus.)
Wenn er sich ausgehangen hat kann man ihn dann nämlich einfach wieder glatt auf den Boden legen und das Schnittteil nochmal drauflegen. Alternativ von der Taille ab messen. Lässt sich so viel leichter und viel exakter begradigen als mit einem Rockabrunder oder generell im hängenden Zustand. :yes:
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Lenmera »

Mit aufgelegtem Schnittteil ist es zwar exakter, mit einem Rockabrunder werden die Körperformen jedoch mit berücksichtigt.
Denn was hilft mir ein perfekt kreisförmiger Rock, wenn ich einen ausladenden Hintern habe und dadurch der Rock hinten kürzer ist als vorne?

So einen Rockabrunder kann man sich ganz einfach selbst bauen, wenn man einen Stift irgendwo auf die richtige Höhe klebt und dann einmal rundherum zeichnet. Eine helfende Hand ist dabei natürlich von Vorteil.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Nria »

Ich würde nur einen halben Teller machen - Tellerröcke fallen umso schöner, je fließender der Stoff ist. Ich habe mal aus einem dünnen Jeansstoff einen Dreivierteltellerrock genäht und bin im Nachhinein unzufrieden, würde ich nicht nochmal machen.
Aber die Libelle ist ein Vogel.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Maze »

Danke für eure Antworten! Ich denke, ich werde es mal mit einem 2/3 Teller versuchen. Das erscheint mir als der beste Kompromiss. Falls das gar nicht schön wird, kann ich das Teil ja immernoch zu einem halben Teller ummodeln. :yes:

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Sue
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Sue »

Ist dieses Oberteil an den Brüsten zu klein oder zu groß?

Bild
Oder bedeutet das, dass der Armausschnitt zu tief ist? Wenn ich die Arme hebe, gehen die Falten weg. Das Model vom Schnittmuster hat die Falten übrigens auch, daher bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das etwas mit den Brüsten an sich zu tun hat?
W.W.F.D.?

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von KimKong »

Sue hat geschrieben: Ist dieses Oberteil an den Brüsten zu klein oder zu groß?
[...]hat die Falten übrigens auch, daher bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das etwas mit den Brüsten an sich zu tun hat?
Kann es sein, dass gar kein Brustabnäher im Teil drin ist? Dann ist das Problem, dass zuviel Stoff an den Seiten vorhanden ist - da ja vorne für die Brüste Stoff / Platz sein muss.
Gerade beim Modelbild sieht es so aus, dass man die Falten evtl. zusammennähen könnte zu einem Abnäher, dann sind die Falten weg. Dadurch musst du allerdings die Seitennaht dann noch mal auf machen, und das Vorderteil ist dann kürzer als das Rückenteil. Das müsste dann im restlichen Schnittmuster irgendwie ausgelichen werden.
The Wheel of time turns, and Ages come and pass, leaving memories that become legend. Legend fades to myth, and even myth is long forgotten when the Age that gave it birth comes again. In one Age, called the Third Age by some, an Age yet to come, an Age long past, a wind rose in the Mountains of Mist... RIP Robert Jordan

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Sue »

KimKong hat geschrieben:
23. Feb 2017, 16:54
Dadurch musst du allerdings die Seitennaht dann noch mal auf machen, und das Vorderteil ist dann kürzer als das Rückenteil. Das müsste dann im restlichen Schnittmuster irgendwie ausgelichen werden.
Danke für diese Information! Ich lasse dieses Kleid wie es ist, da es eh nur ein Probeteil ist, möchte aber mehr in dem Stil nähen. Dass der Abnäher den Armausschnitt kürzt, war mir bewusst, aber dass das Vorderteil dann allgemein kürzer wird, habe ich nicht bedacht. Da kann ich das gleich berücksichtigen :)
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Boobs&Braces »

Den Armausschnitt muss ein Abnäher nicht zwingend kürzen, eigentlich sind die doch unterhalb der Achseln angesetzt und verschieben dadurch eben den Saum des Vorderteils nach oben.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Belut Tirauhh »

Ganz kurze Frage zu Knopflöchern, weil ich im Kopfkino drauf gestoßen bin. Einige von euch sehen die Verwendung eines Nahttrenners sehr kritisch. Bisher habe ich Knopflöcher mit meiner Maschine so gemacht, dass ich mit der Knopflochautomatik ein längliches Viereck aus ganz eng aneinandergenähten Quernähten genäht habe. Die freie Stelle in der Mitte des Vierecks habe ich mit dem Nahttrenner aufgeschlitzt. Wenn man halbwegs vorsichtig ist, kommen ganz passable Ergebnisse heraus, wie gesagt, ganz passabel, aber nicht immer optimal. Allerdings kann der Nahttrenner auch sehr viel Unheil anrichten, besonders wenn er nicht in der vorgesehenen Bahn bleibt. Rrrrritsch und schon ist ein Loch dort, wo es absolut nicht hingehört.
Also, Frage an euch: Gibt es bessere Methoden, besonders bei Hemden. Wie macht ihr Knopflöcher ohne Nahttrenner? Mit dem kleinen Scherchen? Ganz anders? Mit der Hand?
Im Voraus vielen Dank für eure Antworten.

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Violana »

Ich bin jetzt keiner von den Profis, aber "Nahttrenner" sind genau aus diesem Grund immer als Nähmaschinen-Zubehör dabei und werden da auch nie als Naht- sondern als "Pfeiltrenner" benannt, wenn sie - genau so wie Du es beschreibst - zum Auftrennen der Knopflöcher benutzt werden.
Insofern kanns nicht so falsch sein.
Belut Tirauhh hat geschrieben:
3. Mär 2017, 09:56
Die freie Stelle in der Mitte des Vierecks habe ich mit dem Nahttrenner aufgeschlitzt. Wenn man halbwegs vorsichtig ist, kommen ganz passable Ergebnisse heraus, wie gesagt, ganz passabel, aber nicht immer optimal.
Ich mach das ähnlich, aber ich nutze i.d.R. noch eine Stecknadel, die ich quer zum zukünftigen Knopfloch kurz vor meine Endnaht pinne, damit ich nicht mit Kraft alles durchsäble. Dann muss man auch nicht so vorsichtig sein, sondern kann mit mehr Schwung und damit auch etwas gerader arbeiten.
Im Anschluss kürze ich noch die durchtrennten Stofffäden bis zu den Nähten (meist so 1mm) mit einer kleinen Schere - ich nehme immer meine gute Nagelschere, die ist rund und kann damit weniger Schaden anrichten.
Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern. - Indira Gandhi

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Lenmera »

Ich schneide die immer mit einer kleinen spitzen und sehr scharfen Schere auf.
Wenn man unbedingt einen Nahttrenner dafür nehmen will (kann ich nicht nachvollziehen, aber Geschmäcker sind ja verschieden), dann würde ich unbedingt eine Nadel quer stecken, wie Violana schon beschrieben hat.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Buchstabensalat »

Ich mach das immer mit dem Nahttrenner, auch bei Paspeltaschen. Allerdings steche ich erst von links ein und öffne nur ein kleines Stück, und dann von rechts. Dann muss ich nur die Verbindung zwischen den beiden Löchern auftrennen und gerate nicht in Versuchung, zu weit aufzutrennen.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitrag von Miss Porter »

Mein Schneiderinnenherz weint :-P (aber natürlich darf jeder gern machen, womit er am besten klar kommt)
Ich bin da ganz bei Lenmera. Ich habe für Knopflöcher, Paspeltaschen und ähnliches eine ganz besonders scharfe und spitze Schere, die ich nur für solche Schnitte verwende.
Bei der Verwendung von Trenner in Kombination mit der Sicherheitsstecknadel sollte man bedenken, dass jedes mal, wenn der Trenner gegen die Nadel rumst, die kleine Schneide etwas stumpfer wird und man so mit jedem mal etwas mehr Kraft braucht und die Unfallgefahr größer wird.
You'd be surprised how many beautiful gowns have crazy women in them!
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