Die 1930er
Projekt: Kimonobluse
Schnitt: Beyer’s Mode für Alle, Schnittmusterbogen
Datierung: März 1939
Stoffe: Reststück bedruckte Kimonoseide
Ich mache mal weiter mit den «Sieht gar nicht aus wie 19X0er»-Projekten
Die 1920er haben grad eine Krise (nein, nicht
so eine), weshalb ich nur schleppend voran komme und das Projekt seit Wochen prokrastiniere. Also habe ich etwas anderes gesucht, um mich abzulenken oder zumindest irgendwie mal wieder etwas Vorzeig- und Tragbares zu produzieren. Angesichts der Tatsache, dass ich in den letzten Monaten eine herbe Niederlage gegen den Stoffberg einstecken musste (

), wäre auch genug neues Material da, um aus dem Vollen zu schöpfen (eigentlich wollte ich nur einen Stoff bestellen, aber dann guckten mich noch ein anderer im Katalog und einige Reste vor Ort so lieb an und dann waren da noch andere hübsche Reste in dem anderen Laden und der Trödelladen hatte da auch noch so 3 m Wollstoff und zack … 18 m Zuwachs

).
Lustigerweise habe ich aber zu einem gut abgehangenem Stöffchen gegriffen, doch von vorne: Auf der Suche nach einem schnellen Projekt fand ich in Beyer’s Mode ein hübsches Kostüm - das Kostüm war natürlich kein schnelles Projekt, aber dazu gab es einen Schnitt für eine einfache «Kimonobluse». Die ist so einfach, dass es nicht einmal eine richtige Abbildung dazu gibt, gerader Schnitt, angeschnittene, aber recht kurze Ärmel (die wohl namensgebend waren, auch wenn sie quasi nicht existent sind), Brustabnäher, Schlitz im Nacken als Verschluss. Zwei einfache Schnittteile, vier Nähte plus Säume – ich trau mich fast nicht, das als Kleidungsprojekt hier zu posten. Mal sehen, was mir sonst noch aus diesem Jahrzehnt unter die Nadel wandert, vielleicht schiebe ich diese Bluse rüber zum Kleinkram.
Einfacher Schnitt und wenig Stoffverbrauch - das schrie nach einem der Kimono-Stoffreste, die ich 2017 aus Japan mitgebracht bekommen hatte. Traditionelle Kimonos werden aus ca. 36 cm breiten Stoffbahnen genäht und die Stoffballen sind in der Regel so lang, dass sie für einen Kimono ausreichen. Nun sind nicht alle Menschen gleich gross und je nach Anlass sind auch die Ärmel mehr oder weniger weit, also bleibt mal mehr, mal weniger Stoff übrig - jedenfalls verkaufte eine Schneiderei die Reste für wenig Geld und ich bekam einige davon als Mitbringsel. Wenn die:der unbekannte Schneider:in wüsste, dass sie jetzt zur westlichen Vorstellung einer kimonohaften Bluse zurückfinden.
Von dieser bedruckten Seide hatte ich gerade ausreichend für die Bluse inklusive Berücksichtigung des Rapports - perfekt! Naturgemäss hat sie nun wegen des nur 36 cm breiten Stoffes eine Naht in der vorderen und hinteren Mitte, das macht dafür den Schlitz auf der Rückseite einfacher zu nähen. Dank ordentlichen Absteckens sieht man von den Nähten quasi nichts, weil sie genau auf einer der Linien im Muster liegen.
Der Rest ist schnell erzählt: Französische Nähte, schmale Ärmelsäume und breiteren Saum per Hand genäht, für den Halsausschnitt habe ich aus den Resten noch Belege zugeschnitten, ebenso die Schlaufe für den Knopf.
Der Halsausschnitt ist recht eng anliegend und das Oberteil ganz leicht kürzer als erwartet. Ich befürchte, es könnte eine Länge sein, die zum Herausrutschen neigt, obwohl der Schnitt ja für das Im-Rock-Tragen gemacht sein sollte. Aber erst einmal eine Weile Tragen, vielleicht geht es ja doch und sonst kann ich den Saum noch anpassen. Die Seide ist unerwartet hart und kratzig, ich hoffe, auch das gibt sich mit dem Tragen oder nach dem Waschen (da es Seide ist, habe ich den Stoff nicht vorgewaschen).
Wie oben kann man es gut tragen, der «Originallook» eingesteckt gefällt mir aber auch ganz gut (jedenfalls sehr viel besser, als mein Blick es vermuten lässt):
(hui, meine Handykamera hat offenbar massive Probleme mit den orangen Wölkchen)
Wer also näht, der weiß auch, wie man trennt.
Elizabeth Barrett-Browning
Der Mangel an "ß"s in meinen Posts ist auf die Schweizer Rechtschreibung sowie Tastaturbelegung zurückzuführen.