Nähen durch die Jahrzehnte - Die 1930er, S.4

Zur Dokumentation von laufenden Projekten. Zeigt her in Wort und Bild, was ihr gerade näht oder bastelt.

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Constanze
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - Die 1940er, S.3

Beitragvon Constanze » 27. Apr 2026, 21:33

Vielen lieben Dank für euer Feedback. Inzwischen hatte ich die Bluse sogar schon einmal an. Sie kratzt etwas an den Ärmelnähten und zwischen den Knöpfen auf der Brust brauche ich noch einen Druckknopf, aber sonst hat sie die Premiere gut überstanden.
Alice* hat geschrieben:
26. Apr 2026, 14:56
Passen dir die Schnitte eigentlich immer genauso wie sie in der Zeitschrift sind, oder machst du vorab noch Änderungen? Deine Sachen sitzen nämlich immer sooo schön perfekt ... :kicher:
Fake it 'til you make it 8-) Also ehrlich: Normalerweise verändere ich die Schnitte vorab nicht, weil ich eine möglichst unverbastelte Vorstellung vom Schnitt bekommen möchte, besonders bei historischen Schnitten ist mir das wichtig. Deshalb nähe ich auch meist Größen, die mir mehr oder weniger passen sollten und passe selten zu große Schnitte an meine Größe an. Es kommt schon vor, dass ich noch anpasse, meist schreibe ich das auch (bspw. beim Minirock in der ersten Staffel. Oder bei der 1930er Jahre Bluse habe ich für meine Verhältnisse massiv gebastelt, aber da wusste ich auch die Grösse nicht). Ich bin aber tatsächlich auch eine der Glücklichen, der bspw. Burda-Schnitte ohne Änderungen passen und auch bei vielen anderen habe ich selten schwerwiegendere Passformprobleme. Trotzdem sitzt nur wenig wirklich perfekt, meist stehe ich nur so, dass man das nicht sieht. :angel: Die Tartan-Jacke wirft beispielsweise meistens merkwürdige Falten im Rücken und die schwarze Patchwork-Bluse sitzt erst dann richtig gut wie auf den Fotos, wenn ich sehr aufrecht stehe und die Schultern nach hinten ziehe - nur dass ich das im Alltag quasi nie tue (Büro-Garnele). :lol:

Das nächste Projekt wird aber geändert werden müssen. Aktuell habe ich es in einem fast fertigen Zwischenstatus genau nach Schnitt und jetzt muss es doch ziemlich angepasst werden, damit es zumindest theoretisch tragbar wird. Als kleiner Teaser: zur Zeit fühle ich mich bei der Anprobe etwa so. :mrgreen:
Wer also näht, der weiß auch, wie man trennt.
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - Die 1930er, S.4

Beitragvon Constanze » 19. Jun 2026, 22:49

Die 1930er
Projekt: Kimonobluse
Schnitt: Beyer’s Mode für Alle, Schnittmusterbogen
Datierung: März 1939
Stoffe: Reststück bedruckte Kimonoseide


Ich mache mal weiter mit den «Sieht gar nicht aus wie 19X0er»-Projekten

Die 1920er haben grad eine Krise (nein, nicht so eine), weshalb ich nur schleppend voran komme und das Projekt seit Wochen prokrastiniere. Also habe ich etwas anderes gesucht, um mich abzulenken oder zumindest irgendwie mal wieder etwas Vorzeig- und Tragbares zu produzieren. Angesichts der Tatsache, dass ich in den letzten Monaten eine herbe Niederlage gegen den Stoffberg einstecken musste ( :oops: ), wäre auch genug neues Material da, um aus dem Vollen zu schöpfen (eigentlich wollte ich nur einen Stoff bestellen, aber dann guckten mich noch ein anderer im Katalog und einige Reste vor Ort so lieb an und dann waren da noch andere hübsche Reste in dem anderen Laden und der Trödelladen hatte da auch noch so 3 m Wollstoff und zack … 18 m Zuwachs :shock: ).



Lustigerweise habe ich aber zu einem gut abgehangenem Stöffchen gegriffen, doch von vorne: Auf der Suche nach einem schnellen Projekt fand ich in Beyer’s Mode ein hübsches Kostüm - das Kostüm war natürlich kein schnelles Projekt, aber dazu gab es einen Schnitt für eine einfache «Kimonobluse». Die ist so einfach, dass es nicht einmal eine richtige Abbildung dazu gibt, gerader Schnitt, angeschnittene, aber recht kurze Ärmel (die wohl namensgebend waren, auch wenn sie quasi nicht existent sind), Brustabnäher, Schlitz im Nacken als Verschluss. Zwei einfache Schnittteile, vier Nähte plus Säume – ich trau mich fast nicht, das als Kleidungsprojekt hier zu posten. Mal sehen, was mir sonst noch aus diesem Jahrzehnt unter die Nadel wandert, vielleicht schiebe ich diese Bluse rüber zum Kleinkram. :lol:

Einfacher Schnitt und wenig Stoffverbrauch - das schrie nach einem der Kimono-Stoffreste, die ich 2017 aus Japan mitgebracht bekommen hatte. Traditionelle Kimonos werden aus ca. 36 cm breiten Stoffbahnen genäht und die Stoffballen sind in der Regel so lang, dass sie für einen Kimono ausreichen. Nun sind nicht alle Menschen gleich gross und je nach Anlass sind auch die Ärmel mehr oder weniger weit, also bleibt mal mehr, mal weniger Stoff übrig - jedenfalls verkaufte eine Schneiderei die Reste für wenig Geld und ich bekam einige davon als Mitbringsel. Wenn die:der unbekannte Schneider:in wüsste, dass sie jetzt zur westlichen Vorstellung einer kimonohaften Bluse zurückfinden. :oops:

Von dieser bedruckten Seide hatte ich gerade ausreichend für die Bluse inklusive Berücksichtigung des Rapports - perfekt! Naturgemäss hat sie nun wegen des nur 36 cm breiten Stoffes eine Naht in der vorderen und hinteren Mitte, das macht dafür den Schlitz auf der Rückseite einfacher zu nähen. Dank ordentlichen Absteckens sieht man von den Nähten quasi nichts, weil sie genau auf einer der Linien im Muster liegen.



Der Rest ist schnell erzählt: Französische Nähte, schmale Ärmelsäume und breiteren Saum per Hand genäht, für den Halsausschnitt habe ich aus den Resten noch Belege zugeschnitten, ebenso die Schlaufe für den Knopf.

Der Halsausschnitt ist recht eng anliegend und das Oberteil ganz leicht kürzer als erwartet. Ich befürchte, es könnte eine Länge sein, die zum Herausrutschen neigt, obwohl der Schnitt ja für das Im-Rock-Tragen gemacht sein sollte. Aber erst einmal eine Weile Tragen, vielleicht geht es ja doch und sonst kann ich den Saum noch anpassen. Die Seide ist unerwartet hart und kratzig, ich hoffe, auch das gibt sich mit dem Tragen oder nach dem Waschen (da es Seide ist, habe ich den Stoff nicht vorgewaschen).

Wie oben kann man es gut tragen, der «Originallook» eingesteckt gefällt mir aber auch ganz gut (jedenfalls sehr viel besser, als mein Blick es vermuten lässt):



(hui, meine Handykamera hat offenbar massive Probleme mit den orangen Wölkchen)
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - Die 1930er, S.4

Beitragvon Talia » 20. Jun 2026, 11:42

wie? da sind Nähte vorne und hinten in der Mitte? bist du sicher? :gruebel: :lol: Da sieht man aber so gar nichts von.
Auf jeden Fall sehr schick, auch wenn mir das zu eng am Hals wäre. Ist das so passiert oder war das so vorgesehen, weil man das zu der Zeit so getragen hat? (kanns auf dem Katalogfoto nicht ganz erkennen)

Ich hoffe, es neigt weniger zum Rausrutschen als befürchtet *Daumen drück*

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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - Die 1930er, S.4

Beitragvon Morathi » 20. Jun 2026, 13:17

Das sieht wieder sehr schick aus! Ich mag den Stoff sehr, das war mal wieder eine ausgezeichnete Wahl :yes: Und Respekt für die unsichtbaren Nähte! Mir wär´s am Hals auch ein bisschen zu eng und ich hätte vielleicht einen Mini-Stehkragen dazu geschummelt, auch wenn das vermutlich gar nicht in die Zeit passt :mrgreen:
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - Die 1930er, S.4

Beitragvon Constanze » 20. Jun 2026, 14:19

Vielen Dank euch beiden. Ich seh schon, ich muss ein Foto von den Nähten machen, sonst glaub man mir nicht. :P
Talia hat geschrieben:
20. Jun 2026, 11:42
Auf jeden Fall sehr schick, auch wenn mir das zu eng am Hals wäre. Ist das so passiert oder war das so vorgesehen, weil man das zu der Zeit so getragen hat? (kanns auf dem Katalogfoto nicht ganz erkennen)
Also es ist so, wie der Schnitt es vorsieht, geändert habe ich den Haldausschnitt nicht. Wenn ich so darüber nachdenke…auch die (kragenlose) 1940er Bluse auf S. 3 und die (kragenlose) 1930er Bluse aus dem letzten Wip sitzen eher eng am Hals. Bei letzterer habe ich allerdings am Ausschnitt gepfuscht (der stand hinten ab und brauchte entsprechend Abnäher), trotzdem scheint es schon gewollt, dass sie recht eng schliesst gemäss Zeichnung. Und auch die 1940er Bluse aus dem letzten WiP schliesst dafür, dass sie einen eckigen Ausschnitt hat, recht hoch. Die spanische Bluse von 2024 aus dem letzten WiP aber auch.

Kurz: Wahrscheinlich ist es nicht zu steil zu verallgmeinern, dass man (abgesehen von Bade- und Abendmode) eher hochgeschlossen trug in der Zeit. Aber trotzdem müsste man sich ja nicht erwürgen und es passiert mir auch bei neueren Schnitten, vielleicht habe ich also auch einfach einen dicken Hals :shrug: :P

Ich schau mal, wie es sich anfühlt, wenn der Stoff etwas weicher ist. Und sonst kann ich den Beleg ja einfach noch einmal etwas weiter draussen abnähen.
Morathi hat geschrieben: Mir wär´s am Hals auch ein bisschen zu eng und ich hätte vielleicht einen Mini-Stehkragen dazu geschummelt, auch wenn das vermutlich gar nicht in die Zeit passt :mrgreen:
Mh, optisch interessante Idee, wobei ich Stehkrägen nicht so gerne habe, dann lieber ein Umlegekragen, aber das hätte hier nicht gepasst.
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