Weben lernen? Schritt 2: Das erste Brett.

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Weben lernen? Schritt 2: Das erste Brett.

Beitragvon Dragon_Angel » 19. Mai 2026, 20:15

Guten Tag liebes Forum,

Der nächste Cosplaywettbewerb ist 11 Monate entfernt, also muss ich meine Zeit mit Gedankenspielereien füllen. Nach einiger Erfahrung mit Häkeln, Kumihimo (= Bänder weben) und dem klassischen Knüpfen von Freundschaftsarmbändern fiel also meine Aufmerksamkeit auf das klassische Weben von Textilien. Genauer gesagt: das Weben von gemusterten Textilien.

Mein erstes Ziel ist das Weben von einem Gürtel (s. Link), aber erstmal brauche ich Equipment.

Und deshalb gibt es einen Thread! Ich habe mir jetzt überlegt, einen simplen Webrahmen und passende Literatur zuzulegen, habt ihr Empfehlungen? Habt ihr allgemeine Tipps? Fragen? Wünsche?

Bei Interesse werde ich versuchen, meine Fortschritte zu dokumentieren, also macht es euch gern bequem, nehmt euch einen Tee und seid mit mir zusammen gespannt, was noch so kommt.
Zuletzt geändert von Dragon_Angel am 23. Mai 2026, 12:47, insgesamt 1-mal geändert.
Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist,
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Re: Weben lernen? Schritt 1: Recherche

Beitragvon chaotic » 19. Mai 2026, 21:44

Der Gürtel sieht für mich auf den ersten Blick so aus, als könnte er brettchengewebt sein. Ich habe aber leider nur sehr, sehr grundlegende Kenntnisse vom Brettchenweben, also könnte ich auch falsch liegen.

Auf jeden Fall: google mal Brettchenweben oder Kammweben, diese Techniken sind für solche Gürtel recht gut geeignet. (sagt mein limitiertes Wissen)
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Thalliana
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Re: Weben lernen? Schritt 1: Recherche

Beitragvon Thalliana » 20. Mai 2026, 08:12

Ich habe ein ganz bisschen Erfahrung mit Weben, der Gürtel auf dem Bild sieht mir allerdings eher bestickt aus, vor allem weil das Muster so erhaben ist, das kenne ich vom Weben eigentlich nicht. Aber ähnliche Muster sind auf jeden Fall mit Brettchenweben zu erreichen, da stimme ich chaotic zu. Das ist vom Prinzip her auch nicht schwer, allerdings braucht man eine Menge Geduld (ich habe den ersten Wutanfall meist schon während des Aufscherens :oops: :lol: ). Kammweben ist um einiges einfacher, aber damit kann man nicht so komplexe Muster machen. Beide Techniken haben den Vorteil, dass sie ohne Rahmen auskommen, man benötigt eigentlich nur die Brettchen bzw. den Webkamm und das Garn.
Beim Garn würde ich für den Anfang auf jeden Fall zu Wolle raten, bzw zu irgendwas, das etwas elastisch ist (Polygarn oder Mischungen gehen z.B. auch), Baumwollgarn ist zwar oft günstig, aber am Anfang schafft man es meist noch nicht so richtig die Kettfäden gleichmäßig zu spannen und das gleicht ein elastisches Garn einbisschen aus.
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Re: Weben lernen? Schritt 1: Recherche

Beitragvon Caterina » 20. Mai 2026, 10:44

Der Gürtel sieht mir brettchengewebt aus. Der Untergrund ist anscheinend schlicht SZ-geschärt und das Motiv als Broschur obendrauf. Ich habe zu Hause einen Gürtel, den kann ich nachher mal zeigen.

Für den Start würde ich tatsächlich etwas nehmen, was nicht filzen kann und auch nicht elastisch ist. Die Fehler beim Schären, die ungleiche Längen der Fäden verursachen, sind nach spätestens 4\4 reguliert. Und der Ärger, den man hinterher durch elastisches Garn hat, lohnt sich für mich nicht. Also gerne Häkelgarn aus Baumwolle für die ersten Versuche nehmen. Zwei, drei Farben reichen für den Start völlig aus.
Wenn das Prinzip verstanden ist, dann kann man mit mehr Farben schöne Sachen zaubern.
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Re: Weben lernen? Schritt 1: Recherche

Beitragvon Hana » 20. Mai 2026, 11:42

Thalliana hat geschrieben:
20. Mai 2026, 08:12
Kammweben ist um einiges einfacher, aber damit kann man nicht so komplexe Muster machen.
Komplexe Muster gehen tatsächlich an sich auch beim Kammweben, indem man nicht einfach nur den Kamm bewegt und das Schiffchen dabei gerade durchschiebt, sondern mit dem Schiffchen zusätzliche Kettfäden manuell rauf- oder runterdrückt. Ist bei einem langen Band natürlich zeitaufwändig, aber wenn man bei einem kurzen Band keinen Bock aufs Gehampel mit den Brettchen hat, kann sich das lohnen.
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Re: Weben lernen? Schritt 1: Recherche

Beitragvon Thalliana » 20. Mai 2026, 16:08

Hana hat geschrieben:
20. Mai 2026, 11:42
Thalliana hat geschrieben:
20. Mai 2026, 08:12
Kammweben ist um einiges einfacher, aber damit kann man nicht so komplexe Muster machen.
Komplexe Muster gehen tatsächlich an sich auch beim Kammweben, indem man nicht einfach nur den Kamm bewegt und das Schiffchen dabei gerade durchschiebt, sondern mit dem Schiffchen zusätzliche Kettfäden manuell rauf- oder runterdrückt. Ist bei einem langen Band natürlich zeitaufwändig, aber wenn man bei einem kurzen Band keinen Bock aufs Gehampel mit den Brettchen hat, kann sich das lohnen.
Ja, das stimmt schon, aber gefühlt geht beim Brettchenweben noch mehr, weil man da ja auch (meistens) etwa doppelt so viele Fäden hat, auf der selben Breite^^.
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Re: Weben lernen? Schritt 1: Recherche

Beitragvon Caterina » 20. Mai 2026, 19:09

Hier mal auf die Schnelle ein paar Bilder. Einmal von meinem Erstling. Simple SZ-Schärung und ein Metallfaden für die Broschur. Man sieht gut, dass ich den Metallfaden nicht doppelt sondern vierfach hätte nehmen müssen.
Bild Bild
Die kleinen Stippen auf der Rückseite sind die Stellen, wo ich den Broschurfaden quasi gewendet habe. Mir fällt das Wort gerade nicht ein. Man kann das natürlich auch an der Seite mit dem regulären Schussfaden machen, aber dann sieht man es mehr.

Hier ein ordentlich gebrauchter Gürtel. Bild
Bild

Auf der Rückseite ist an den Böppeln zu sehen, dass ich da mit dickerem Garn für die Broschur gearbeitet habe. Hier auch wieder eine simple SZ-Schärung. Das das an sich Garn aber auch eine Richtung hat, sehen S und Z optisch etwas unterschiedlich aus.

Das Schären der Brettchen ist echt einfach, weil es nur eine Farbe ist und alles in einer Richtung aufgezogen werden kann. Zum Schluss einfach jedes zweite Brettchen umklappen und los.
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Re: Weben lernen? Schritt 2: Das erste Brett.

Beitragvon Dragon_Angel » 23. Mai 2026, 12:32

Vielen Dank für eure Antworten!
chaotic hat geschrieben: Der Gürtel sieht für mich auf den ersten Blick so aus, als könnte er brettchengewebt sein. Ich habe aber leider nur sehr, sehr grundlegende Kenntnisse vom Brettchenweben, also könnte ich auch falsch liegen.
Ich hab's einfach mal ausprobiert, für Brettchenweben braucht man ja kein großes Equipment (aber vllt investiere ich doch mal in eine vernünftige Schraubzwinge, damit nicht alles unter Spannung auseinander rutscht).
Mein Aufbau, ganz klassisch mit Brettchen aus Karton.
Ich hab mich beim Weben an dieser Anleitung orientiert, und beim Aufscheren zusätzlich diese Tipps beachtet.
Das Schöne bei neuen Handarbeitstechniken: Die Lernkurve.
Der unsägliche Anfang
Die vielversprechende Mitte
Das Ende, das eindeutig mehr Übung braucht

Thalliana hat geschrieben: Ich habe ein ganz bisschen Erfahrung mit Weben, der Gürtel auf dem Bild sieht mir allerdings eher bestickt aus, vor allem weil das Muster so erhaben ist, das kenne ich vom Weben eigentlich nicht. Aber ähnliche Muster sind auf jeden Fall mit Brettchenweben zu erreichen, da stimme ich chaotic zu. Das ist vom Prinzip her auch nicht schwer, allerdings braucht man eine Menge Geduld (ich habe den ersten Wutanfall meist schon während des Aufscherens :oops: :lol: ).
Das stimmt, das sich ergebene Muster ist sehr flach. Ich werde im nächsten Versuch mal ausprobieren, ob ich ein flaches Band ohne Muster weben kann und das Symbol durch Hana's Methode erreichen kann:
Hana hat geschrieben: Komplexe Muster gehen tatsächlich an sich auch beim Kammweben, indem man nicht einfach nur den Kamm bewegt und das Schiffchen dabei gerade durchschiebt, sondern mit dem Schiffchen zusätzliche Kettfäden manuell rauf- oder runterdrückt.
Allerdings erstmal beim Brettchenweben, weil ich erstmal schauen will, wie viel Übung und anderes Garn da ausmacht.

Caterina hat geschrieben: Für den Start würde ich tatsächlich etwas nehmen, was nicht filzen kann und auch nicht elastisch ist. Die Fehler beim Schären, die ungleiche Längen der Fäden verursachen, sind nach spätestens 4\4 reguliert. Und der Ärger, den man hinterher durch elastisches Garn hat, lohnt sich für mich nicht. Also gerne Häkelgarn aus Baumwolle für die ersten Versuche nehmen. Zwei, drei Farben reichen für den Start völlig aus.
Ich kann aus Allergiegründen eh nicht so gut mit Wolle, deshalb hab ich mein Baumwoll-Häkelgarn verwendet (was immernoch sehr elastisch ist). Ich werde mal schauen, dass ich ein dünneres, weniger elastisches Baumwollgarn finde.
Caterina hat geschrieben: Hier mal auf die Schnelle ein paar Bilder. Einmal von meinem Erstling. Simple SZ-Schärung und ein Metallfaden für die Broschur.
Oh wow, die Bänder sind ja absolut zauberhaft! Ich schaue mir das mit der Broschur mal an, da hast du einen zusätzlichen Faden verwendet, richtig? Das könnte in die richtige Richtung gehen. Bei den Bändern hast du die Brettchen immer nur in eine Richtung gedreht, richtig?

Meine Erkenntnisse bis hierher:
Das Aufscheren scheint der potentiell anstrengendste Teil zu sein. Wenn die Fäden einmal gespannt sind, ist es recht unproblematisch.
Ich bin noch unsicher, ob Brettchenweben das Mittel der Wahl ist, da werde ich weiter rumprobieren. Mit der Mustertechnik (Einzugsmuster?) gefällt mir die Rückseite nicht, aber da hilft vermutlich eine andere Technik. Außerdem ist das Gewebte durch die Dicke der Fäden sehr steif, da werde ich mal mit einem dünneren Garn weiterprobieren.
Parallel habe ich meiner (gleichsam verrückten) Mutter von meinem Vorhaben erzählt, und sie sucht schon nach gebrauchten Webrahmen in einer passenden Breite :lol: Da ich beim Brettchenweben hauptsächlich mit der Spannung Probleme hatte, erhoffe ich mir eine Lösung durch einen Webrahmen, gerade falls es nach dem Gürtel doch zum Stoffweben übergehen sollte...

Vielen Dank für eure Tipps bisher, und wenn euch auf den Bildern eindeutige Fehler auffallen, sagt gern Bescheid!
Tee und Kekse für alle, die weiter zuschauen!
Am Ende wird alles gut.
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Re: Weben lernen? Schritt 2: Das erste Brett.

Beitragvon Caterina » 23. Mai 2026, 20:14

Tolle Ergebnisse für den Start! Bei Einzugsmustern sieht die Rückseite oft sehr anders aus als die Vorderseite. Das ist völlig normal. Wenn du die Brettchen lange in eine Richtung drehst, werden oben und unten identisch.

Guntram's Tabletweaving Thingy ist ein Programm, mit dem du viel herumspielen kannst. Farben und Muster testen, Rückseite anschauen geht da auch.

Weil du in der Regel 4 Fäden pro Brettchen hast, ist das Gewebe recht dick. Die Steifigkeit liegt am gewählten Garn, der Spannung und wie stark du das Schiffchen anschlägst. Elastisches Garn zieht sich wieder zusammen und wird kompakter. Nimm also gerne etwas Unelastisches, dann musst du beim Weben keine Rücksicht mehr darauf nehmen. Wenn du mehr Brettchen hast, dann wird das Werkstück stabiler im Handling. Es lohnt sich also dran zu bleiben. :)

Wie bei jeder Art weben, ist das eigentliche Weben quasi die Belohnung für die Vorarbeit. :kicher:
Wenn du deinen Gürtel wie auf dem Bild im ersten Post anfertigen möchtest, dann hast du einen einfarbigen Untergrund und kannst schauen, ob du in regelmäßigen Abständen die Drehrichtung änderst oder ob du die losen Fäden ab und zu komplett löst und entwirrst.
Das Muster oben drauf wird mit einem separaten Faden während des Grundmusters draufgewebt. So bekommst die erhabene Struktur.

Webrahmen können schnell teuer werden. Wichtig ist, dass du keinen "Schulwebrahmen" nimmst, sondern einen Inkle Loom.
Wenn du eh schon bei Flinkhand bist, ist der Barde vom Glan nicht weit. Seine Website ist zwar kein Hochgenuss, aber die Rahmen sind sehr tauglich und vielleicht helfen die Modellbilder nochmal beim Verstehen von Schären und Spannung.

Nimm anstelle der Schraubzwingen die Heizung oder Ähnliches, dann kannst du die Spannung mit deinem Körper regulieren. Auf Märkten habe ich mich auch schon an Bäume gebunden. :lol:
Wenn du nicht länger Gürtel weben möchtest, kannst du vielleicht auch mit einem Gewichtswebrahmen substituieren. Der ist schnell selbst gemacht.

Das in der Kürze. Wenn es weitere Fragen gibt, immer her damit.
,,Ich bin entrüstet!", sagte der Ritter und stand nackt im Wind.


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