Nähen durch die Jahrzehnte - Kleinkram 1900er, S.2

Zur Dokumentation von laufenden Projekten. Zeigt her in Wort und Bild, was ihr gerade näht oder bastelt.

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Constanze
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2 E1 - Die 1980er S. 2

Beitragvon Constanze » 4. Feb 2026, 22:59

Also, dann wollen wir mal. Ich muss gestehen, dass ich bei diesem und auch beim nächsten Projekt völlig vergessen habe, Fotos während der Entstehung zu machen. Ich hoffe, ich kann in Zukunft zumindest etwas mehr davon zeigen.

Die 1980er
Projekt: Trachten-Spencer
Schnitt: Burda Stick-Lehrbuch, Schnittmusterbogen, Gr. 38
Datierung: 1982
Stoffe: schwarzer Gabardine (45%Polyester/55%Wolle), Tartan (Wolle), schwarzer Batist (Baumwolle)



Es war einmal vor langer langer Zeit (wohl so 2007/8), dass Natron, eine der damaligen Administratorinnen des Vorgänger-Forums, das Sticken für sich entdeckte und als Lehrbuch ein altes Burda-Buch von 1982 empfahl. Die Projekte darin sind nicht gerade gut gealtert, aber die Anleitungen klar verständlich und zudem fand man es ohne große Probleme für wenig Geld auf Flohmärkten, so dass ich es mir ebenfalls besorgte, als sich die Gelegenheit bot.



Aber das Buch bietet nicht nur die reinen Stickvorlagen, sondern auch viele Schnitte oder Anleitungen, um die gezeigten Projekte fertigzustellen. Ich möchte behaupten, dass ich noch nie etwas aus diesem Buch gestickt habe, aber recht früh schon sprang mich dieses Jäckchen, Spencer genannt, an. Das habe ich dann so 2008 oder 2009 genäht, für mich war das damals ein recht ambitioniertes Projekt. Bestickt habe ich es nicht, es bestand aus pinkem Denim ( :lol: ), das niedliche Schößchen habe ich mit weissem Batist verstürzt. Es gibt sogar Fotos davon, bzw. diese merkwürdige Zusammenstellung:



Es passte perfekt, war für meine Verhältnisse recht gut genäht und ich war sehr glücklich damit. Damals arbeitete ich viel mit Stoffmalfarbe und so kam mir die dumme Idee, schwarze Sterne zu stempeln. :roll: Das Jäckchen hat an der Vorderseite jeweils zwei Abnäher, im Denim tragen die natürlich etwas auf, so dass ich einen Stern am oberen Abnäher-Ende leider verhunzte. So ein schwarzer Fleck mitten auf dem Nippel ist auch blöd, also improvisierte ich schwarze Ranken um die Sterne herum, um den Fleck zu verdecken. Danach sah es einfach mittelschlecht bemalt aus, sehr selbstgemacht, sehr «gewollt und nicht gekonnt». Ich trug es nur wenige Male und sortierte es dann aus, weil ich mich nie wohl darin fühlte. Aber ich behielt den Schnitt, der passte ja super und dieses Schößchen war so hübsch und seitdem sagte ich mir, dass ich das unbedingt noch einmal nähen muss…



Fast Forward zum Jahresende 2025:, Auftriff eines Stapels von Gabardine-Schnittteilen. Den Stoff hatte ich mal gekauft, um meinem ehemaligen Partner eine Weste zu nähen, iiirgendwann zwischen 2008 und 2016, genauer kann ich es nicht mehr sagen. :shrug: Sie war komplett zugeschnitten, aber dann doch nie genäht worden und ich hoffte immer, dass ich die Teile für etwas anderes verwenden könnte, aufgrund der vielen Teilungsnähte und entsprechend kleiner Stücke gestaltete sich die Schnittauswahl allerdings schwierig. Als ich jetzt aber in meinem Schnittmusterordner den Spencer wiederfand machte es Klick.



Und während ich zuschnitt drängte sich mir die Frage auf, wie ich das Jäckchen etwas spannender machen könnte und wie schon beim letzten WiP (siehe das 1960er-Kleid) setzten sich Vivienne Westwood und Alexander McQueen auf meine Schultern und flüsterten «Tartan». :roar: Ja, da war noch so ein Rest dunkelgrüner Woll-Tartan im Vorrat, perfekt! Dass das Schößchen aus dem Tartan sein müsste, war schnell klar, die Ärmel verlängerte ich dann noch, so lang wie der Gabardine reichte und setzte eine Tartan-Manschette an. Durch puren Zufall setze die Manschetten auf derselben Höhe an wie das Schößchen. War nicht geplant, aber ich bin sehr verliebt in dieses Detail.



Lange nicht sicher war ich, ob ich noch einen Kragen oder sonst ein Element aus dem Tartan in der oberen Hälfte ergänzen wollte, bin es immer noch nicht 100%ig. Aber erst einmal habe ich mich dagegen entschieden, nicht, dass es zu sehr nach Kostüm oder Uniform aussieht. Als Futter für das Schößchen und die Belege nahm ich Baumwollbatist, einerseits wegen der Dicke, andererseits, um Kratzen des Wollstoffes zu vermeiden. Ich liebe dieses Schößchen-Detail sehr, erwähnte ich das mal?



Genäht war es eigentlich schnell, nur die Knopflöcher ganz zum Schluss machten mir Sorgen. Schummeln mit untergenähten Druckknöpfen konnte ich nicht (zu eng anliegend und deswegen Aufspring-Gefahr), meine einzige Maschine mit ZickZack-Stich war während des Nähens ausgestiegen und vor handumstochenen Knopflöchern hatte ich in dem fransenden Gabardine zu großen Respekt. Also blieben Paspelknopflöcher, die gleichzeitig eine Möglichkeit boten, den Tartan noch einmal hervorzuholen. Aufgrund eines Denkfehlers sind sie leider recht dick geworden, aber als ich das realisierte, war es schon zu spät und nicht mehr änderbar, ohne die Knopfleiste komplett zu zerstören. Leider spannt sie auch etwas, aber beim Tragen fällt es nicht so auf. Die Knöpfe sehen genauso aus wie auf dem Burda-Foto, auch Anzahl und Knopflochgröße stimmten, lustiger Zufall.



Trotz all des Erfolgs bei diesem Projekt muss ich vor etwas warnen: Wenn man etwas das letzte Mal vor mindestens 16 Jahren genäht hat und es zumindest in der Erinnerung perfekt passte, man seitdem aber doch etwas zugenommen hat, sollte man zwischendurch eine Anprobe wagen… :lol:
Der Spencer sitzt recht eng, nicht unangenehm, aber er sitzt dadurch schlicht nicht so schön, insbesondere nach dem Essen. :angel: Außerdem ist er wirklich sehr kurz, er endet fast oberhalb meiner natürlichen Taille. Hätte ich das vorher ausgemessen, hätte ich ihn wohl etwas verlängert.



Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis und habe extra einen Rock mit hoher Taille genäht, um ihn tragen zu können. Vom Gabardine und auch vom Tartan sind leider immer noch Reste da, immerhin mit einem ging es aber direkt weiter. Mehr davon nach der nächsten Maus…ähm also im nächsten Jahrzehnt.
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Morathi » 5. Feb 2026, 06:53

Wie schön, dass es eine zweite Staffel gibt und ich sie erst so spät entdecke, dass ich direkt was zu gucken hab :mrgreen: Wahnsinn, was du immer aus den Vorlagen zauberst. Beim Durchscrollen und lesen versuche ich mir immer schon vorzustellen, wie wohl deine Version davon aussehen könnte, nur um dann wieder total überrascht zu werden :up: :sabber:
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Thalliana » 5. Feb 2026, 08:07

Hui, so viele Versionen von ein und der selben Jacke. Ich muss ja zugeben, als ich nur den Namen des Projekts und das Foto mit der Stoffauswahl gesehen habe, musste ich an Hallo Spencer! (die Kindersendung) denken :lol: . Aber spätestens beim Burda-Foto der Jacke war klar, dass es damit nix zu tun hat.
Deine pinke Version finde ich eigentlich auch echt süß, schade dass das bestempeln nicht geklappt hat, das hätte ein bisschen Disco-Vibes gehabt 8-) .
Aber die jetzige Version finde ich wirklich gelungen, die würde ich glatt klauen, wenn ich denn reinpassen würd :oops: :lol: . DAs ist quasi die erwachsene Version der pinken Jacke :) .
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon deepdarksin » 5. Feb 2026, 08:26

Ich bin verliebt, die ist wunderschön geworden und steht dir ganz toll! (Mich beschleicht eh ein wenig das Gefühl, dass du alles tragen kannst :kicher: )
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon chaotic » 5. Feb 2026, 10:11

Ich weiß gerade nicht, wo ich anfangen soll... so viele Informationen in dem Beitrag und ich will auf alles reagieren :lol:

Die Abbildungen im Buch sind wirklich nicht gut gealtert... Und ich stelle mit Erschrecken fest, dass das Buch so alt ist wie ich :shock: :äh:

Die pinke Version der Jacke mit Sternen und Ranken finde ich eigentlich richtig cool, die hätte ich in meiner Spät-Teenie-Phase mindestens anprobiert, wenn ich sie im Laden gefunden hätte. Ich kann aber voll verstehen, warum du sie dann doch nicht gerne getragen hast.

Die neuere Version der Jacke sieht deutlich erwachsener aus als die pinke und deutlich moderner als die Vorlage aus dem Buch.
Ich finde es passend, dass du keinen Kragen angenäht hast. So ist die Jacke auf den ersten Blick schlicht, und wenn man näher kommt, wird der Tartan sichtbar - und der gefällt mir richtig gut!

Wunderbar, die neue Jacke.
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon rhuna » 5. Feb 2026, 20:24

Der Tartan passt so gut an die Jacke! Gerade hinten am Schößchen ist es perfekt. :D
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Bluemoon » 5. Feb 2026, 22:14

80er ohne Schulterpolster des Todes!? Daran merkt man, dass wir in Staffel 2 sind; die Klischees werden zu Gunsten neuer Ideen und Abwechslung zurückgelassen.
Ich weiss nicht, ob ich das ertrage. :no:

:P
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Nria » 6. Feb 2026, 13:38

Wow, ich bin wirklich geflasht! Erstens davon, wie gut es aussieht, und zweitens davon, wie modern es aussieht. Und ja, ich finde auch, es ist das rosa Mieder in "erwachsen geworden" :D
Aber die Libelle ist ein Vogel.
Die Libelle war der schönste aller Vögel, wenn man nur einsah, dass sie ein Vogel war. (Per Olov Enquist)

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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Sisu » 6. Feb 2026, 16:14

Das Jäckchen sieht total schön aus mit dem Tartan! Wow, sogar noch Paspelknopflöcher! Die Entscheidung gegen einen Tartankragen finde ich gut: auch wenn mir Tartan sehr gefällt, vielleicht würde ein Kragen den Oberkörper zusammen mit Schösschen und Manschetten etwas stark einrahmen. Du könntest ja immer noch nach Belieben ein Halstuch in Tartan dazu tragen.
In die "das muss ich nicht neu aus messen"- Falle bin ich auch schon gelaufen... Hoffentlich passt dir das Jäckchen nich lange!
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Constanze » 7. Feb 2026, 17:00

Vielen Dank euch allen für das schöne Feedback <3. Ich bin froh, dass das mit dem Verzicht auf einen Kragen o.ä. offenbar die richtige Entscheidung war und ihr das ähnlich seht. Und mir gefällt das Bild, dass das Jäckchen in den zwei Versionen quasi "erwachsen" geworden ist, das trifft es sehr gut.
Morathi hat geschrieben:
5. Feb 2026, 06:53
Beim Durchscrollen und lesen versuche ich mir immer schon vorzustellen, wie wohl deine Version davon aussehen könnte, nur um dann wieder total überrascht zu werden :up: :sabber:
Das ist ein gutes Feedback. Ich habe nämlich überlegt, ob es sinnvoll wäre, das Ergebnis direkt am Anfang im Post zu zeigen, aber für den Spannungsbogen scheint es besser zu sein, erst die Vorlagen einzubinden. :mrgreen:
Thalliana hat geschrieben: Ich muss ja zugeben, als ich nur den Namen des Projekts und das Foto mit der Stoffauswahl gesehen habe, musste ich an Hallo Spencer! (die Kindersendung) denken :lol: .
Also zeitlich passt das mit dem Schnitt doch gut zusammen. :D Hach, Kindheitserinnerungen
Bluemoon hat geschrieben: 80er ohne Schulterpolster des Todes!? Daran merkt man, dass wir in Staffel 2 sind; die Klischees werden zu Gunsten neuer Ideen und Abwechslung zurückgelassen.
Ich weiss nicht, ob ich das ertrage. :no:

:P
Ja, die zweite Staffel dient dazu, Klischees und überkommene Stereotype von unrechtmäßig diskriminierten Stilepochen beim Publikum subversiv zu unterwandern und kritisches Überdenken von internalisierten Denkmustern zu fördern. :dozier:
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Bluemoon » 7. Feb 2026, 22:23

Constanze hat geschrieben:
7. Feb 2026, 17:00
Ja, die zweite Staffel dient dazu, Klischees und überkommene Stereotype von unrechtmäßig diskriminierten Stilepochen beim Publikum subversiv zu unterwandern und kritisches Überdenken von internalisierten Denkmustern zu fördern. :dozier:
:kicher: Wie ich sehe, schreibst du schon am Pitch für die Arte-doku, die nach Staffel 3 ansteht.

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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Thalliana » 9. Feb 2026, 07:36

Constanze hat geschrieben:
7. Feb 2026, 17:00
Thalliana hat geschrieben: Ich muss ja zugeben, als ich nur den Namen des Projekts und das Foto mit der Stoffauswahl gesehen habe, musste ich an Hallo Spencer! (die Kindersendung) denken :lol: .
Also zeitlich passt das mit dem Schnitt doch gut zusammen. :D Hach, Kindheitserinnerungen
Ja genau, daher kommt vermutlich auch meine Assoziation, ich hab die Sendung in den 80ern geliebt :lol: .
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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - S2E1 - Die 1980er, S.2

Beitragvon Frau mit Hut » 11. Feb 2026, 20:41

Wie schick! Das stelle ich mir richtig toll vor in Kombination mit dem Rock, den Du im anderen Thread gezeigt hast! :grapsch:

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Re: Nähen durch die Jahrzehnte - Kleinkram 1900er, S.2

Beitragvon Constanze » 17. Feb 2026, 16:01

Sonntag hatte ich erst keine Lust zu Nähen, dann blättere ich meist ziellos durch meine Vorlagen und manchmal packt es mich dann doch.

Die 1900er – Kleinkram

Projekt: Nackenkissen
Schnitt: La Famille – Journal pour tous. Anleitung (ohne Schnittmuster)
Datierung: 1901
Stoffe: verschiedene Reste Wollstoff, verschiedene Vlieseline-Reste

In manchen Illustrierten und Familienzeitschriften findet man im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts eine Rubrik mit Modeneuigkeiten, kleinen Anleitungen, Rezepten etc. Manchmal heisst das auch «Seite für die Frau» oder so ähnlich. So auch in dieser Zeitschrift, «La Famille – Journal pour tous» ( «Blatt für alle»). Daneben finden sich Fortsetzungsromane, kurze Geschichten, Artikel über dies und das, Bilderstrecken etc. Historische Zeitschriften findet man oft als Bücher zusammengebunden, die je nach Erscheinungshäufigkeit ein Jahr, mehr oder weniger umfassen können. Dieses hier ist von 1901, es gibt aber nur ein Titelblatt, alle anderen Umschlagseiten sind vor dem Binden entfernt worden. Daher kann ich nicht exakt sagen, aus welchem Monat dieses Projekt ist.



Hier gefiel mir das Blumenmotiv und dass Farben empfohlen wurden, die ich alle in der Restekiste hatte. Ich bin inzwischen recht sicher, dass die Abbildung falsch herum gesetzt wurde, das Blumenmotiv wäre das eine, aber auch die Form funktioniert als Nackenkissen deutlich besser mit der Spitze nach unten.

Es gibt keinen Schnitt, nur die Abbildung und die Angabe im Text, das Kissen soll aus einem Quadrat mit 30cm Kantenlänge genäht werden. Leider stand keine Grössenangabe zum Volant darin, zudem hatte ich für einen Volant zu wenig Stoff und habe stattdessen eine Rüsche genäht, was die Kanten unheimlich dick gemacht hat. Ich habe das Verhältnis von Rüsche und Kissen in der Abbildung abgemessen, aber nicht beachtet, dass ein gefülltes Kissen ja kleiner ist als seine Kantenlänge, deshalb ist die Rüsche grösser als in der Vorlage. Die Innenhülle aus weisser Baumwolle habe ich weggelassen, da ich keine Daunen verwendet habe, sondern Polyester-Füllwatte, die Hülle kann ich sowieso nur mit der Hand waschen.

Die Anleitung empfielt je nach Anwendung verschiedene Stoffe, Farbgebungen und Dekore: Für einen Salon wird grüne Seide vorgeschlagen mit rosa Blumenapplikation. Für das Landhaus wähle man Baumwolle in grau und rot für den Volant mit applizierter Mohnblume. :kicher:



Lustigerweise hatte ich genau in diesen Farben diverse Wollstoffreste. Den grauen Wollkrepp kennt ihr aus der ersten Staffel (Bettjäckchen 1924), aus dem grünen Wollstoff habe ich 2017 mal ein Kleid genäht (Link zum archivierten Blogbeitrag) und der rote kam schon als Reststücke aus einer Schneiderei zu mir, ebenfalls 2017, den habe ich schon bei verschiedenen Projekten als Detail genutzt (unter anderem bei diesem Rock und der Handtasche vom Blog).

Zudem konnte ich die ganze Bandbreite der Aufbügelbares-whatever-Reste ausnutzen: uralte, komische grüne No-Name-Gewebeeinlage, um den fürchterlich elastischen Krepp etwas zu bändigen (vor allem die lange Kante auch noch im schrägen Fadenlauf…), aufbügelbares Volumenvlies, gekauft fürs Forumswichteln 2020, um die Stickerei etwas plastischer zu machen, und mein all-time-favourite Steam-a-Seam, um die Applikationen zu fixieren: wie Vliesofix, aber schon ohne Bügeln leicht klebrig und mit Schutzpapier auf beiden Seiten. Allerdings macht es die so applizierten Stoffe härter als Vliesofix und mit der Hand durchsticken ist keine Freude. Deshalb habe ich die Kanten mit Zickzack umrandet. Weil ich nur einen Zickzack-Aufsatz hatte (d.h., die Maschine kann nur Gradstich und der Aufsatz schiebt den Stoff immer hin und her) war das Nähen nicht so einfach und ist an manchen Stellen nicht ganz sauber geworden, hätte ich das etwas öfters gemacht, könnte es fast als gewollt durchgehen. Der kontrastierende rote Faden war aber tatsächlich Absicht. Weil die Vorlage so klein war, habe ich den Mohn nicht kopiert, sondern grob nach einer zeitgenössischen Vorlage von Charlotte H. Spiers gezeichnet (die rechte Blüte).



Das Zusammennähen war eher mühsam, es verzog sich alles lustig, mit der Rüsche war ein Verstürzen der spitzen Ecken schlicht unmöglich, die habe ich beide offen gelassen und nach dem Wenden von Hand geschlossen. Weil die Wollstoffe sonst relativ weich waren, hatte meine Maschine trotz der vielen Schichten kaum Probleme, weder bei den Applikationen noch beim Zusammennähen.

Fazit: Sehr zufrieden mit dem Motiv, Maschinenapplikation habe ich lange nicht mehr gemacht gehabt. Das Kissen insgesamt könnte etwas grösser sein, mal sehen, ob ich es tatsächlich benutzen werde.

Wer also näht, der weiß auch, wie man trennt.
Elizabeth Barrett-Browning

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