#FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Kindred — Text-WIP

Zur Dokumentation von laufenden Projekten. Zeigt her in Wort und Bild, was ihr gerade näht oder bastelt.

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aprilnärrin
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Power (Verena Güntner)

Beitragvon aprilnärrin » 26. Jul 2020, 16:14

Kennt ihr das? Ihr arbeitet total enthusiastisch und ein bisschen manisch an der Umsetzung eines Projektes und sobald es dann in einen Zustand der Routine übergehen soll, geht irgendwas kaputt und ihr lasst es wie eine heiße Kartoffel in Alufolie aus dem Lagerfeuer fallen? Das ist mir irgendwie passiert. Das ganze ein wenig kombiniert mit einem depressiven Schub und der allgemeinen Überforderung mit einer Welt im Zustand der Pandemie, der von Chaos über Routine zu Verdrängung führte? Nun. Ich habe jetzt 3 Wochen mit mir und meinem Kopf gekämpft und heute bin ich endlich etwas weiter durchgedrungen und konnte den Text zu Power zu Ende schreiben. Gestickt hatte ich schon längst.

Und weil das WIP hier immer noch ein wenig mein Sandkasten ist, wo ich mich austeste, werde ich den Text jetzt zunächst hier veröffentlichen. Schreibt gerne Lob oder Kritik dazu, vermutlich werde ich vor der Veröffentlichung auf dem Blog nochmal drüberbügeln. :wink:
Einziges Ziel: wenigstens im Juli soll das noch veröffentlicht werden. Dann hat der Juli immerhin einen Eintrag. Bei Rückschlägen kann es ja helfen die Ziele kleiner zu stecken.

Zur Stickerei:
Rückstick, 3reihig und versetzt nebeneinander: für Flächen geeignet
Farbe: Grün 700

Bild

Power von Verena Güntner

Ein Dorf im Sommer, ein verschwundener Hund und ein Mädchen mit einem Auftrag. Kerze ist 11 Jahre alt und weiß was sie kann und will. Gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter lebt sie in einem Dorf. Jedes Dorfkind könnte dieses Dorf kennen, denn es ist dort alles genau so, wie das Klischee es möchte. Bis ein ungehöriges Ereignis eintritt: Power, der Hund der alten Frau Hitschke – die immer nur als "die Hitschke" bezeichnet wird – ist verschwunden und Kerze nimmt den Auftrag an, ihn zu finden und zurückzubringen. Sie weiß, dass sie das wird, denn sie hat es versprochen und was sie verspricht, das hält sie. Immer.

Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass der verschwundene Hund gefunden wird. Und zwar tot.

Die Frage ist daher von Anfang an nicht, wie Power zurückkommt. Die Frage ist, worum es wirklich geht. Während Kerze sich zunächst allein auf die Suche macht, lernen wir das Dorf und vor allem die Menschen in diesem Dorf kennen. Ihre Beziehungen zueinander, ihre Konflikte untereinander. Und auch, dass es in diesem Dorf nicht selten vorkommt, dass jemand, ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwindet. Und so rollen sich in den folgenden Kapiteln die Geschichten der Menschen dieser Dorfgemeinschaft aus. Wir, die Leser*innen, lernen Teile der Vergangenheit kennen und die Figuren über ihr Handeln im Jetzt. Die Kinder spalten sich immer mehr von der Welt der Erwachsenen ab. Oder, wie man vielleicht auch vermuten könnte, nutzen das Desinteresse der Erwachsenen, um ihren eigenen Weg zu gehen.

Angeführt von Kerze begeben sich nach und nach alle Kinder auf die Suche nach Power und folgen schließlich bedingungslos den Anweisungen von Kerze. Kerze weiß alles, Kerze gibt den Ton an; sie hat die Deutungshoheit über die Welt um sich herum. Was sich nicht zuletzt in Aussagen wie "Du kannst mich auch Gott nennen, wenn Dir das hilft." äußert. Mit strenger Härte führt sie die Kinder an und versucht sich dem verschwundenen Hund anzunähern. Nicht so sehr im Räumlichen, sondern vielmehr im Denken und Verhalten. Die Eltern werden, je bestimmter die Kinder ihr Ziel verfolgen, immer hilfloser. Plötzlich gehorchen ihre Kinder nicht mehr und fangen an zu bellen und zu beißen. Für die Kinder gibt es wiederum ein Ziel, auf das sie zusteuern. Und die Eltern bleiben offenbar gebrochen zurück, weil sie es nicht schaffen sich dieser Situation anzunehmen. Plötzlich funktioniert ihr Alltag nicht mehr, ihre Routinen und ihre Strukturen brechen zusammen. Und weil ihre Kinder nicht schuldig sein können, suchen und finden sie andere Schuldige. So keimen die Konflikte im Dorf auf, die alle säuberlich unter einem Deckmantel der gegenseitigen Ignoranz geruht haben. Die Hilflosigkeit und die Paralyse der Erwachsenen ist beeindruckend. Und über alles legt sich eine scheinbar unnatürliche Hitze und Trockenheit. Der letzte Regen ist Wochen her, die Menschen und die Felder leiden. Es kristallisiert sich heraus, dass etwas geschehen muss, damit der Regen wiederkehrt.

Ich könnte hier mit einigen der besten Phrasen aus Rezensionen um mich werfen: "Millieustudie", "starker Roman", "auf verstörende Weise", "Welten prallen aufeinander", etc. Und während all das sogar stimmt, ist es doch so langweilig nicht. Es ist sogar ein wenig magisch. Verena Güntner erzeugt in diesem Roman eine wunderbare Atmosphäre in der sie Möglichkeitsräume schafft und in der sie ein wenig die Logik aushebeln kann. Die Mischung aus einer realistisch konstruierten Welt und den abgehobenen, fast magischen Elementen, die durch das Denken und Handeln der Figuren dazukommen, finde ich sehr gelungen. Es kommen Vögel als Boten vor, das unnatürliche Wetter, es kommt eine Krone vor und es geht um Leben und Tod.

Ob es eine Parabel ist, wie der Klappentext verspricht, sei dahingestellt. Auch ob es ein Märchen ist, will ich hier nicht festlegen. Was es in jedem Fall ist: ein Roman mit einer Perspektive auf die Welt und die Realität, die wir schaffen, die Verbindungen zulässt, die nicht abgeklärt von einer einzigen Wahrheit ausgeht.


Verena Güntner: POWER. Roman. 249 Seiten. Erschienen 2020 bei DuMon in Köln. ISBN: 9783832183691.

Bild

Wie ihr sehen könnt, habe ich mit diesem Namen dann auch die Rückseite eröffnet, um alles harmonisch rundherum um den Beutel verteilen zu können. :)
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#FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Power (Verena Güntner)

Beitragvon Solanaceae » 1. Aug 2020, 08:45

Hey, der Text ist doch gut so!
Ich kenne es auch ein bisschen, ich hab mir auch anfangs immer wieder vorgenommen regelmäßig zu posten, Rezensionen und später Monatszusammenfassungen (als neue Rubrik, die kurz „Gelesenes“ und auch andere Themen wie Achtsamkeit und Dankbarkeit und meine Podcastempfehlungen des Monats beinhalten sollten), da ich es nicht mal geschafft habe, einmal im Monat zu rezensieren. Habe mir einen Online-Fotographie-Kurs für Instagram gekauft, um den Feed zu gestalten für den Blog. Und dann hab ich nach einer Weile nicht mal mehr den Monatsbeitrag geschafft - voller Alltag, Belastungen und auch ein Stück weit Depressionen. Der Instagram-Kurs ist noch nicht mal angefangen.Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, zu akzeptieren, dass ich es momentan nicht hinbekomme regelmässig zu schreiben oder Rubriken zu „erfüllen“. Der Instagram- Feed bleibt weiterhin farblich uneinheitlich. Ich poste eben dann, wenn mein Herz bei einem Buch denkt, hier mag ich was schreiben, ansonsten lass ich es. Und ich mische Beiträge nun. Wenn ich eine zum Buch passende Podcsstfolge habe, kommt die direkt in die Rezension, wenn ich Lust auf einen Random-Beitrag zu Achtsamkeit oder so habe, kommt der, sonst eben nicht. Es ist ein Hobby und es darf Freude machen, ganz ohne Druck...
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Power (Verena Güntner)

Beitragvon EsmeWetterwachs » 25. Aug 2020, 00:06

Wie sieht's bei dir aus, aprilnärrin? Was du zur aktuellen Situation schreibst bzw. geschrieben hast), kann ich wirklich gut nachvollziehen. Zwischendrin die Motivation zu verlieren passiert glaube ich allen mal. Um bei deiner Kartoffelmetapher zu bleiben: ich lass Projekte auch häufig ins Feuer fallen, aber nach ein paar Wochen/Monaten/Jahren stelle ich dann fest, dass sie Wurzeln geschlagen hat und eigentlich doch recht toll ist und ich Lust zum Weiterarbeiten hab.

Und pass auf dich auf wegen des depressiven Schubs. Ich kenn' dich zwar nicht persönlich, aber du wirkst wie eine unglaublich kluge, liebe und reflektierte Person, die sehr inspirierende Dinge tut (falls du im Moment Komplimente gebrauchen kannst, ansonsten ignorier' das OT) :knuddel:

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Power (Verena Güntner)

Beitragvon aprilnärrin » 28. Aug 2020, 20:38

Solanaceae hat geschrieben:
1. Aug 2020, 08:45
Es ist ein Hobby und es darf Freude machen, ganz ohne Druck...
Ja, da hast Du ganz Recht. Meine Befürchtung war nur, dass es einfach wieder nur vor sich hinstirbt, wenn ich gar keine Struktur reinbringe. Ich sehe aber inzwischen ein, dass ich etwas an meinem realistischen Ziel vorbeigeschossen bin. Daher versuche ich es jetzt mit ca. monatlich. Das sollte irgendwie hinzukriegen sein. Und immerhin, der nächste Beitrag ist auch quasi fast fertig. Das wird wohl noch. :)
EsmeWetterwachs hat geschrieben: Und pass auf dich auf wegen des depressiven Schubs. Ich kenn' dich zwar nicht persönlich, aber du wirkst wie eine unglaublich kluge, liebe und reflektierte Person, die sehr inspirierende Dinge tut (falls du im Moment Komplimente gebrauchen kannst, ansonsten ignorier' das OT) :knuddel:
Das ist lieb, danke :knuddel:


Ich habe auch schon weitergestickt, aber der Augustbeitrag wird es jedenfalls nicht. Vielleicht sollte ich hier WIP-like wieder dazu übergehen einfach die Stickerei auch ohne den Text zu posten... wobei vermutlich meistens keine kleineren Zwischenschritte kommen, weil die Stickereien ja jeweils nicht sooo groß sind. ... Also, ich mache das jetzt mal. (:

Bild

Gestickt habe ich mit einem breiten Kettenstich. Die Farben habe ich, unschwer zu erkennen, am Cover des Buches ausgewählt. Mal gucken, wann ich dazu komme meinen Text dazu zu schreiben.
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Kindred – Verbunden (Octavia E. Butler)

Beitragvon Zetesa » 30. Aug 2020, 20:53

Ich freu mich, dass es hier weitergeht.
einmal pro Monat klingt nach einem schaffbaren Plan.
Ich kenn das enthusiastisch anfangen und dann nicht durchziehen können nur zu gut, versuch dir nicht zu viel Druck zu machen. :knuddel:

Ich guck auch gerne die Stickereien ohne fertigen Text.
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Zwischenstand

Beitragvon aprilnärrin » 4. Jan 2021, 20:29

Ich bereite mich mental schonmal darauf vor, dieses WIP wiederzubeleben und tippe die Tage mal den Zwischenstand zusammen. (:

Und damit ich das wirklich mache, kritzel ich das hiermit auch hier rein. :mrgreen:
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Zwischenstand

Beitragvon Noctua » 4. Jan 2021, 20:30

Hurra, viel Erfolg bei diesem Vorhaben!

(Ja, diese Antwort soll dir einen kleinen zusätzlichen Schubser geben.)
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Zwischenstand

Beitragvon SpiderBite » 4. Jan 2021, 20:52

Hier lasse ich mich mal nieder! Auf den Bericht über das Octavia E. Butler Buch freue ich mich schon. Es ist die Lieblingsautorin einer guten Freundin in den USA. Sie hat mir schon mehrfach ans Herz gelegt sie zu lesen. Bin mal gespannt wie du es fandest.
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Zwischenstand

Beitragvon aprilnärrin » 5. Jan 2021, 01:47

Ihr seid großartig motivierend, konnte nicht anders, musste mich noch heute/nacht/zeitnah jedenfalls ransetzen... :D


Was seitdem geschah... der Zwischenstand

Ich habe, das hatte ich hier im August gar nicht mehr erwähnt, im Juli tatsächlich noch den Beitrag zu Verena Güntners Power veröffentlicht. Zu lesen und auch zu hören im Blog: Du kannst mich Gott nennen.

Wie im August schon geschrieben, habe ich auch bereits den Namen zu meiner Lektüre von Octavia E. Butlers Kindred gestickt. Einen Text habe ich bis heute nicht, ich schleiche ein wenig drum herum, aber ich denke das wird der nächste Text, den ich in Angriff nehme. Ich habe von anderen Texten ein paar lose Entwürfe, aber nichts, was mich gerade überzeugt.

Dann ist erstmal die #MagdarineChallenge auf Twitter passiert. Eine Buchhändlerin aus Berlin, die nichts anderes tut als lesen und sich besonders für vergessene Autorinnen einzusetzen, hat einen ewiglangen Thread mit Büchern gestartet, die sie selbst schon hat, aber noch nicht gelesen und die allesamt von mehr oder weniger stark vergessenen Autorinnen sind. Wer Bücher dieser Liste liest (Motto: Zusammen schaffen wir das) und auf Twitter rezensiert, kam in den Lostopf für ein Bücherpaket. Mehr rund herum und was ich mir warum ausgewählt habe aus diesem Thread, was ich lesen möchte, habe ich in diesem Beitrag stehen: Die #MagdarineChallenge - Teil 1. Auch wenn sie bereits vorbei ist, werde ich die anderen 6 Autorinnen, die ich hier habe einziehen lassen auch noch vorstellen im Stile des ersten Beitrags.

Weil mir das Buch, das ich ausgewählt habe, auch so gut gefallen hat, habe ich es nicht nur auf Twitter rezensiert, sondern auch einen Text für den Blog dazu geschrieben. Ich hatte mich für Vernon Lee entschieden und ihre Erzählungen der viktorianischen Schauerliteratur. Zu lesen und wie immer auch zu hören, hier: Schauerliteratur von Vernon Lee

Die Stickerei musste natürlich für den Beitrag auch schnell noch fertig werden:

Bild

Bild

Ich habe seitdem auch bereits wieder Dinge gelesen, zum Beispiel von Suzette Haden Elgin Das Amerika der Männer (Original: Native Tongue) - der erste Band einer Science-Fiction Trilogie, in der die Frauen in einer Zukunft wieder völlig den Männern untergeordnet leben und ihren ganz persönlichen Weg aus der patriarchalen Gesellschaft finden wollen, nämlich mittels Sprache, einer geheimen Sprache, die nur für Frauen ist. Sehr spannend!

Ausserdem habe ich vorgestern mit einem Roman begonnen, der auch schon länger in meinem Regal stand: Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili. Ich bin mit gemischten gefühlen in diese 1279 Seiten gegangen, weil ich sowohl viel Lob gehört habe, als auch viele gelangweilte Kommentare. Aber nun, am ersten Abend habe ich ein halbes Jahrhundert durchlebt und gut 370 Seiten verschlungen und heute nochmals 150. Die Geschichte erstreckt sich über 100 Jahre, zwei Weltkriege, 6 Generationen einer georgischen Familie, 8 Leben und Tausende Geschichten.

Und ausserdem, als Abschluss des aktuellen Standes: mir wurde eines der 4 FrauenLesen-Buchpakete der #MagdarineChallenge zugelost, man darf also gespannt sein, was hier noch eintrifft, was vermutlich auf meiner Leseliste landen wird. :kicher:

Damit dürfte dann alles gesagt sein, was seit August so passiert ist in Sachen FrauenLesen, Sticken und schreiben. (:


SpiderBite hat geschrieben:
4. Jan 2021, 20:52
Hier lasse ich mich mal nieder! Auf den Bericht über das Octavia E. Butler Buch freue ich mich schon. Es ist die Lieblingsautorin einer guten Freundin in den USA. Sie hat mir schon mehrfach ans Herz gelegt sie zu lesen. Bin mal gespannt wie du es fandest.
Wenn alles gut geht, wirst Du nicht lange gespannt sein müssen, seit ich Deine Antwort hier gelesen habe, hat mein Kopf schon ein wenig das Vorstrukturieren des Textes begonnen. Im Idealfall schreibe ich ihn also die Tage. :D
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Zwischenstand

Beitragvon SpiderBite » 5. Jan 2021, 21:48

aprilnärrin hat geschrieben:
5. Jan 2021, 01:47
SpiderBite hat geschrieben:
4. Jan 2021, 20:52
Hier lasse ich mich mal nieder! Auf den Bericht über das Octavia E. Butler Buch freue ich mich schon. Es ist die Lieblingsautorin einer guten Freundin in den USA. Sie hat mir schon mehrfach ans Herz gelegt sie zu lesen. Bin mal gespannt wie du es fandest.
Wenn alles gut geht, wirst Du nicht lange gespannt sein müssen, seit ich Deine Antwort hier gelesen habe, hat mein Kopf schon ein wenig das Vorstrukturieren des Textes begonnen. Im Idealfall schreibe ich ihn also die Tage. :D
Ich werde gespannt immer wieder reinschauen. Was du über das Buch "das achte Leben" schreibst klingt auch spannend!
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Kindred — Text-WIP

Beitragvon aprilnärrin » 17. Jan 2021, 12:23

Ich habe mit dem Text angefangen, gestern Abend dann wirklich ^^ Damit es nicht redundant wird und ihr einfach nur einen fertigen Text bekommt, ist hier der Werkstatttext. Also nur inhaltlich schonmal grob gesetzt, vermutlich noch in der falschen Absatzordnung und mit noch nicht durchformulierten Sätzen, sowie zwei Absätzen, die ich aus einem Chat über das Buch gezogen und noch nicht eingepasst habe. Achja, und einer mostly dämlichen Überschrift :D


Verbindungen in die Vergangenheit

Octavia E. Butler war eine US-amerikanische Autorin, die besonders für ihre feministische Science-Fiction Anerkennung erfahren hat. So wurde sie mit dem Hugo und dem Nebula Award ausgezeichnet. Aber wo beginnt man Butler zu lesen, wenn man sich nicht gleich in ihre Zyklen stürzen möchte? Vielleicht mit *Kindred — Verbunden*. Und vielleicht, als weiß sozialisierte\*r Leser\*in, ganz konkret mit der deutschen Neuübersetzung von Mirjam Nuenning. Dem Roman voran, steht das zusammen mit Sharon Dodua Otoo verfasste Vorwort *Über den Versuch, das Unfassbare wahrnehmbar zu machen*. Aber dazu später mehr, vielleicht sollte ich erstmal schreiben, warum *Kindred* so lesenswer ist.

Am 09. Juni 1976 passiert es zum ersten Mal, dass Dana, eine Schwarze Schriftstellerin, sich plötzlich in einer anderen Umgebung und einer anderen Zeit wiederfindet. Sie begegnet Rufus, ein weißer Junge, der in einem Fluss mit dem Ertrinken ringt und rettet ihn ohne zu zögern. Und genauso plötzlich, wie sie dort erscheint, findet sie sich nach einer Auseinandersetzung mit Rufus Eltern wieder in ihrem eigenen Haus vor. Ohne wirklich zu begreifen, was und warum es passiert ist, wird sie wieder in die Vergangenheit zu Rufus gezogen. Da sie aber nicht weiß, wie diese Sprünge geschehen, kann sie diese auch nicht beeinflussen und muss dieses Mal für längere Zeit in der fremden Welt, der fremden Zeit leben.

Es ist die Zeit der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Als Schwarze muss sie sich den schlimmen Gegebenheiten anpassen, um zu überleben.

Leser*innen reisen nicht nur mit Dana zurück in eine menschenfeindliche Vergangenheit, sondern mit dieser Zeitreise wird die Geschichte auch in die Gegenwart geholt. Unweigerlich findet auch die Auseinandersetzung mit den heutigen Verhältnissen statt. Aber ich möchte mir an dieser Stelle als weiße Leserin gar nicht anmaßen erfahren zu können, was von Rassismus betroffene Schwarze Menschen in diesem Buch lesen. Einen Eindruck kann vielleicht das lesenswerte Vorwort vermitteln.

[[Anfangs hat mich ein wenig genervt, dass alles so auserzählt wird und wenig interpretationsspielraum bleibt. aber das buch bringt, finde ich, wirklich viele aspekte rund um rassismus auf den punkt. also auch historisch reflektiert, weil es ja auch teils in der vergangenheit spielt.]]

[[Wobei ich bei psychischer Gewalt teilweise schneller meine Grenze erreiche, als bei physischer. Bei Kindred ist es halt auch krass, dass... ich weiß nicht, dadurch, dass sich in die Historische Gewaltdarstellung auch eine "moderne" Perspektive einer Schwarzen mischt, die selbst frei geboren wurde und über ein Jahrhundert später lebt, wirkt es halt auch einfach beklemmender]]

Obwohl *Kindred* nicht als Science-Fiction Roman gekennzeichnet ist und ihm dafür auch wesentliche plakative Merkmale fehlen, so ist es doch eine Was-wäre-wenn-Erzählung. Und als eine solche bietet es gedankliche Überschneidungen. Hier treffen Welten aufeinander, die sich auf verschiedene Weisen anziehen und abstoßen. Es gibt keine Maschine für Zeitreisen, es gibt keine logisch greifbare Erklärung für diese Sprünge und dennoch finden wir auch alles wieder, was mit Zeitreisen in die Vergangenheit an Implikationen zusammenhängt. Und, und das hier ist der entscheidende Punkt, durch dieses Aufeinanderprallen verschiedener Welten, entsteht ein tieferer Zusammenhang zwischen ihnen, eine Verbindung, die in diese Kette der Ereignisse eingreift und sich auf beide Welten auswirkt. Das Zeitreiseparadoxon wird hier auf einer historischen Ebene ausgerollt, die sowohl Unterschiede als auch schmerzhafte Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Zeitebenen aufzeigen.

In ihrem Vorwort erklären sie, welche Hürden und Schwierigkeiten sich im Umgang mit dem Text ergeben haben, der im Original. Gerade deswegen ist dieses Buch ein wunderbarer Einstieg in die Bücher von Butler. Denn auch Butlers Sprache wird hier thematisiert und für Menschen, die die spezifischen Begriffe nicht kennen, übersetzt und eingeordnet.
Grüße von der aprilnärrin

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP

Beitragvon aprilnärrin » 24. Jan 2021, 21:16

Zusammen mit der Lesegruppe habe ich gerade Und die Braut schloss die Tür der israelischen Autorin Ronit Matalon angefangen. Die ersten 52 Seiten habe ich inhaltiert, morgen reden wir über den nächsten Abschnitt.

Ich habe schonmal etwas Text über den ersten Abschnitt "ausversehen" geschrieben:

Die Braut lernen die Lesenden nicht kennen. Auf der ersten Seite des Romans wird lediglich beschrieben, dass sie seit nunmehr 5 Stunden im Schlafzimmer ihrer Eltern eingeschlossen ist, ehe sie drei mal wiederholt "Ich heirate nicht" (S. 7). Die Braut, um die es dem Titel nach geht, bleibt also eine Leerstelle. Stattdessen rücken die anderen Figuren in den Fokus: Wie gehen sie mit dieser Situation um? Über die sich -- aus unbekannten Gründen -- verweigernde Braut wird der Blick auf die Menschen in ihrem Umfeld gerichtet und auf die Beziehungsmuster, das Machtgefälle und den Zusammenhalt. Es ist das Netzwerk an Menschen um die Braut herum, das hier vor den gesellschaftlichen Konventionen -- "Was sollen wir den Leuten sagen? […], wie stehen wir jetzt da, hä?" (S. 14) -- auf die Probe gestellt werden.

Dabei wird zum Beispiel Ilan (Cousin der Braut???) in den Fokus genommen, der als Scheidungskind zu Sabtuna (Großmutter?) zog, unter Frauen groß wurde und einen Sinn für Ästhetik entwickelte, während er in der Armee wegen "mangelnder Anpassung" nicht gedient hat. (S. 19) Der Verlobte, also der fast noch oder eventuell Bräutigam ist hingegen der genaue Gegenentwurf zu Ilan, oder mit Ilans Worten verkörpere er perfekt 'die Institution'. (S. 17) Hier werden zwei Seiten von Männlichkeit dargestellt, die in Stereotype zerfallen. Während Ilan sich als Kind gerne ein Frauenkleid anzog, ist Matti der idealisierte Mann.

Die Verweigerung der Braut löst sozusagen eine Krise aus. Es ist eine solche Familienkrise, die ins Komische abgleitet, weil niemand mehr in der Lage ist, dem anderen zuzuhören und jeder nur noch aus seiner Perspektive auf die Katastrophe guckt; jeder bleibt sich selbst verhaftet und deswegen eskaliert es fröhlich vor sich hin. Es ist als Komödie beschrieben, und es spielt scheinbar so weit auch nach den Regeln der Komödie.
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Kindred — Text-WIP

Beitragvon NerdGorgon » 24. Jan 2021, 21:54

Total spannend, wie du uns da an deinem Bücherstapel teilhaben läßt!

Ich geb zu, ich hab bisher kaum bewußt drauf geachtet, ob ein bestimmtes Buch nun von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde. Das Geschlecht der Hauptfiguren war für mich wichtiger (mich nerven Bücher, wo die Jungs all die Abenteuer bestehen und die Mädchen ausnahmslos nur zum Gerettet werden vorkommen). Dennoch find ich dein Projekt eine gute Idee, um zu Unrecht vergessene oder übersehene Autorinnen mehr ins Rampenlicht zu holen.

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Kindred — Text-WIP

Beitragvon Noctua » 25. Jan 2021, 08:48

Oh, das neue Buch klingt interessant! Ich bin gespannt wie sich das entwickelt und ob es als Komödie tatsächlich aufgeht.
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